Vanessa Paschakarnis. Bêtes et fardeaux / Beasts and Burdens
25. Februar bis 30. April 2010
Galerie Samuel Lallouz, Montréal
1434, rue Sherbrooke O. #200, Montréal (Québec) Canada
» Pressemitteilung (in englischer Sprache)
» die Künstlerin über diese Ausstellung
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Werkliste:
Horned Beings (Toro), 2009
Marmor, Bronze, Holz, 178 x 89 x 89 cm
Horned Beings (Capricorno), 2009
Marmor, Bronze, Holz, 190.5 x 46 x 99 cm
Horned Beings (Ariete), 2009
Marmor, Bronze, Holz, 152.4 x 84 x 59 cm
Shield for a Human, 2009
Bronze, 25.4 x 107 x 234cm
Domesticated Beasts (Tomcat), 2008
Portuguese Marmor, Stahl; 36 x 28 x 47 cm
Domesticated Beasts (Horse), 2008
Portuguese Marmor, Stahl; 56 x 32 x 43 cm
Domesticated Beasts (Horse with Colors), 2008
Portugisischer Marmor, Stahl; 51 x 36 x 61 cm
Blue Echo, 2009
Bronze; 41 x 51 x 51 cm
Blue Bell, 2008
Bronze; 76 x 48 x 44 cm
Domesticated Beasts I, 2008 3/7
Intaglio Print; 80 x 120 cm
Domesticated Beasts II, 2008 4/7
Intaglio Print; 80 x 120 cm
Horned Beings, Zeichnung 1, 2008
Ölpastell auf Papier; 84 x 111 cm
Horned Beings, Zeichnung 3, 2008
Bleistift und Wachskreide auf Papier; 84 x 112 cm
Horned Beings, Zeichnung 4, 2009
Bleistift und Wachskreide auf Papier; 84 x 112 cm
Horned Beings, Zeichnung 5, 2010
Graphit und Wachskreide auf Papier; 106 x 150.5 cm
Shields for Humans, Zeichnung I, 2000
Graphit auf Papier; 112 x 204 cm
Shields for Humans, Zeichnung V, 2000
Graphit auf Papier; 122 x 208 cm
Shadows for Bells, Zeichnung 1, 2007
Ölpastell, Graphit auf Papier; 130 x 75.5 cm
Shadows for Bells, Zeichnung 2, 2007
Ölpastell, Graphit auf Papier; 129 x 89.6 cm
Drawing, Three Beasts, 2009
Bleistift auf Papier; 63.5 x 98 cm
“Il y a une communication occulte entre tout ce qui est proche.”
Eduardo Chillida
In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit dem “Ding” als konzeptuelles Gegenüber. Mit meinen Skulpturen versuche auf Phänomene und Gefühle einzugehen, die sich im direkten Umfeld eines Menschen ereignen. Meine Formen scheinen vertraut, bleiben aber fremd.
Diese Arbeiten sind nicht abstrakt, sie sind erfunden. Sie basieren auf meinem Formverständnis während ich einen Stein, eine Muschel oder ein Stück Holz betrachte, dass ich dann mit Wachs im Miniaturformat überarbeite, bevor ich es schließlich vergrößere und in ein neues, anderes Material übersetze. Die so entstandenen Formen stehen uns dann in unserer Größe gegenüber.
Ich möchte den Betrachter in eine Raumsituation versetzen, die die Feinabstimmung seiner/ ihrer Wahrnehmung schärft, - um zu differenzieren oder zu verbinden - Materie – das Animalische – das Humane.
Meine “Domesticated Beasts” (domestizierte Biester) sind von einer jüngsten Reise nach Griechenland inspiriert, die Kindheitserinnerungen hervorgerufen und bestätigt hat – von intensiver, dunkelblauer Farbe und kreideweißer Pigmente, Gerüche, Formen der Inseln, der Wolken, raues Mittelmeer, schroffe Landschaften, Hitze und Wind, Staub und Sonne, die Gegenwart des Menschen durch altertümliche Überreste des Spektakulären und des Unscheinbaren, schwere Stille der Vergangenheit.
Ich sah eine antike Skulptur im archäologischen Museum in Heraklion, Kreta: den Kopf einer Löwin in einem cremefarbigen Marmor, ein Fragment, realistisch ausgeführt, mit fehlenden Intarsien von Augen und Nase.
Mit der Werkgruppe der “Domesticated Beasts” möchte ich den Betrachter einem “Gesicht” gegenüberstellen. Die weiche, fleischige Farbe des portugiesischen Marmors spiegelt unsere (hellhäutige) Haut wieder. Ich habe mir die Köpfe von einigen Tieren ausgesucht, die gemeinhin als domestiziert betrachtet werden. Diese Arbeiten spiegeln eine Nähe zu uns, die bestürzend und zugleich nüchtern ist. Die Oberfläche erscheint verwittert und abgenutzt, ist zugleich aber weich und delikat in der Berührung.
Die Beziehung der Tiere zu uns kommt mit einem Preis; indem wir die Tiere domestizieren, nehmen wir ihren Stolz, brechen ihren Geist – den distanzierenden Stolz des Wilden und Fremdartigen.
Die “Domesticated Beasts” sind nicht abstrakt, sie sind zu vervollständigen, oder besser nicht – so wie die schwere Stille auf einer griechischen Insel uns beruhigt, wenn wir sie niemals laut aussprechen.
Während die “Domesticated Beasts” versuchen mit uns in Kontakt zu treten, verbleiben die “Horned Beings” (gehörnte Wesen) in Distanz. Stolz wie Tiere in der Wildnis halten sie ihre bestimmte und zuversichtliche Autorität.
Diese Werkgruppe geht zurück auf einen Moment, in dem ich die Ehrfurcht gebietende Natur des Wilden, des Anderen, des Urzeitlichen erlebt habe. Diese “Horned Beings” tragen ihre Rüstung, ihre Bewehrung mit sich, sie sind Biester, die nicht eingeschüchtert sind. Ihre Köpfe sind Steine, ihre Hörner sind Arme, Beine, Knie, Schultern, Schlangen, Gänsehälse – sie sind animiert und lebendig.
Die “Bells” (Glocken) sind wie kleine Körper; sie sind Haut, Textur, Himmel und Meer. Ich musste sie hängen, denn in der Luft, parallel zu unserem Torso, atmen diese Formen, sie schwingen mit und hallen nach. Sie klingen, wenn sie berührt werden. Sie reagieren auf Luftbewegungen und vorsichtiges Tasten. Als Hohlkörper, gebogene Platten von strukturierter Bronze, sind sie in Bewegung erstarrt.
Das “Shield for a Human” (Schild für einen Menschen) ruht tief auf dem Boden, wuchtig und grazil. Es fungiert für mich wie eine Brücke in Bezug auf die anderen Arbeiten in der Ausstellung. Diese Arbeit ist für mich eine Metapher für den menschlichen Geist, die menschliche Seele und die Notwendigkeit diese zu behüten und zu erhalten. Es ist Rüstung und Verteidigung und erinnert uns an unsere Souveränität: ohne Selbstkontrolle und Autorität werden wir selber zur wilden Bestie.
Das “Shield for a Human” ist eine Skulptur an sich, zuerst, aber läßt uns dann über den Boden schweifen um ihn als Ebene auf der wir laufen zu begreifen. Dieses Schild könnte uns schützen oder aber begraben. Es ist nicht zugehörig. Es bestätigt das Unbekannte, so, wie eine Insel in einem fremden Land uns das schaurig-schöne Gefühl gibt, zu Hause zu sein.
Meine Arbeit ist vor allem ehrlich und seelenvoll und zugleich eine optimistische Bestätigung unseres Daseins als lebende Kreaturen – in Reaktion zum Erlebten – ganz im Leben – als Teil der Welt.
Vanessa Paschakarnis zu “Beasts and Burdens”
Eine Ausstellung in der Galerie Samuel Lallouz, Montreal, Kanada 2010
April 2010 – Copyright Vanessa Paschakarnis