Corporeal, 1998

Für eine Weile versuchte ich das Thema Wald, das ich in meinen Raumzeichnungen in mehr oder weniger räumlicher Weise untersuchte, zu manifestieren. Ich interessierte mich für den Moment eines räumlichen Gleichgewichts, ein neues Umfeld zu finden, mit jedem Schritt, den man bei einem Spaziergang durch den Wald macht. Außerdem interessierte ich mich für die persönliche Begegnung die durch ein Kunstwerk in einer Galerie manifestiert werden könnte, das sich von einer solchen Erfahrung in der Natur direkt übersetzen lässt.

Eine zeitlang wuchsen baumähnliche Formen in den Ateliers, in denen ich arbeitete oder ich schleppte Zweige und Äste und vorgefertigte Holzpfähle herein, immer auf eine zündende Idee hoffend. Heute denke ich, dass ich dadurch, dass ich diese Idee endlich losgelassen habe, genau diese Idee in der Arbeit "corporeal" (körperlich) wiedergefunden habe. Sie ist wesentlich weniger spektakulär als meine "Waldarbeit" sein sollte und gleichzeitig viel wesentlicher als der vorhergehende Gedanke, der viel zu direkt im Ansatz war.

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Gips (yellow hydrocal), Leinengarn; Zwei Teile: 60 cm x 30 cm x 230 cm; 45 cm x 36 cm x 245 cm

"Corporeal" besteht aus zwei Formen, die in gelblichem Gips gearbeitet sind. Die Oberfläche der Elemente ist geschichtet und verwebt. Sie enthüllt die Fasern, die mit der fast hautähnlichen oder holzähnlichen Oberfläche verschmelzen. Die zwei Formen sind "Dinge", selbstständige Objekte, die eine Vielzahl von Assoziationen erlauben. Wie Treibholz assoziieren sie natürliches Material, das eine Form angenommen hat, die vage an die Proportionen des menschlichen Körpers erinnert. Eine Form liegt auf dem Boden, die andere lehnt gegen eine Säule oder eine Wand.

In Verbindung mit einer Gruppenausstellung, in der die Arbeit war, schrieb ich folgenden Kommentar:
Die weiche Oberfläche der zwei Formen ist gebunden, bearbeitet und eingeritzt, eingeschnitten mit feinem Garn aus Leinen, das sich aufschichtet und die Spuren der ursprünglichen Form der Skulptur nachzeichnet. Sie sind nicht statisch, entweder ruhen sie auf dem Boden oder lehnen gegen die Wand, eine Säule. Die Objekte scheinen vertraut, körperlich in ihrer Erscheinung, aber im selben Moment verunklären sie unsere Wahrnehmung, denn ganz offensichtlich manifestieren sie etwas Fremdes und Unbekanntes.
Sie bestärken ein in Frage stellen, ein Untersuchen, verändern die Atmosphäre eines vorhandenen Raumes, indem sie dem menschlichen Körper Skulpturen, gemachte Formen entgegenstellen, die von einer entsprechenden und sich gleichzeitig widersetzenden Größe sind.

Juni 2007 – Copyright Vanessa Paschakarnis