Shields, 1998

Ich realiserte die Ausstellung "Shields" im Sommer 1998 in Halifax. Da ich immer betone, wie wichtig die Zeichnung in meiner Künstlerischen Arbeit ist, entschied ich mich für eine Ausstellung ausschließlich mit Zeichnungen. Die "shields" sind großformatige Zeichnungen, Bleistift auf Papier, ca. 150 cm x 200 cm, die direkt an der Wand angebracht sind. Sie hängen so tief wie möglich. Ich arbeitete mit der Form der "sanddollars" (Sandtaler) und begann die Suche in Bezug auf diese Form in der Zeichnung, ähnlich dem, was in dieser Zeit auch in meiner bildhauerischen Arbeit begann.

Aufgrund ihrer Größe vereinnahmte der Prozess des Zeichnens den ganzen Körper. Die Arbeiten waren sehr unmittelbar gearbeitet, aber bestimmt durch die Logik der Form, die auf dem Papier konstruiert wurde. Diese Zeichnungen ware eine Fortsetzung anderer Serien von Zeichnungen in denen ich versuchte, diese für eine mehr räumliche Erfahrung durch verschieden Annäherungsweisen zu öffnen. In früheren Arbeiten (Wald I, Wald II, 1995) integrierte ich Licht und Raum und die Zeichnungen setzten sich dem Betrachter als Installationen entgegen, nicht als zweidimensionale Arbeiten an der Wand. In anderen großformatigen Arbeiten (new works, 1996) untersuchte ich die Linie als Spur, an Bewegung erinnernd, sich bewegende Objekte im und durch den Raum. Ein Netzwerk von Linien ermunterte den Betrachter grundlegend räumliche Erfahrungen zu untersuchen, dies durch eine rein visuelle Betrachtung der Liniengefüge in Augenhöhe, aber auch durch eine Gegenüberstellung mit der großformatigen Zeichnung, die fast einer Verschiebung gleich eine Aufnahme von Bewegung ist. Eine andere Art Raum in der Zeichnung zu visualisieren (drawings 1996-1997) war die Verwendung von Flächen und Linien, die eine potentielle dreidimensionale Entwicklung von Form im Raum darstellten. Diese Zeichnungen waren eher als Landkarten lesbar. Maße und Material, negativ und positiv werden durch eine Spannung der Linien und Flächen auf einem bestimmten Papierraum formuliert.

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Anna Leonowens Gallery, Halifax, Nova Scotia Kanada
Serie aus Zeichnungen, Graphit auf Papier; jeweils ca. 150 cm x 200 cm

Die "shields" erforschen ein ähnliches Anliegen in einer subtileren, aber gleichzeitig sehr direkten Weise. Linien sind dicht konzentriert und formen eine Schichtung der Oberfläche, entwickeln die Eigenschaften eines Objektes auf der Papieroberfläche, während sie gleichzeitig eine räumliche Dynamik entwickeln, die in den Umraum des Betrachters einzudringen scheint. Die Gestalt des Sandtalers ist vergrößert in die Form eines Schildes – sie führt den Betrachter an der Wand entlang, während sie ihn gleichzeitig als gegensätzliche Form hinwegstößt.

Ich interessiere mich nicht für ein spezifisches, lesbares Abbild, sondern für das Wesen einer Form. Schichtungen von Linien, verwoben, bearbeitet, suchend, subtil, mit einer inneren Spannung, bilden eine Oberfläche auf Papier, die auf die Größe des menschlichen Körpers vergrößert ist und uns deshalb zu einem körperlichen Dialog anzieht und abstößt.

Eine Serie von "Schilden" formt einen Innenraum, der durch den Besucher zu durchlaufen ist, versucht uns an einem Ort zwischen rationalem Denken und mentaler Tiefe zu erreichen, ein Ort, der uns Schutz gibt und trotzdem Bewegung erlaubt, führt uns zu einem körperlichen und mentalem Spaziergang durch zweidimensionalen Raum.

Juni 2007 – Copyright Vanessa Paschakarnis